Risen

Nachdem Gothic 3 durch seine vielen und teils sehr starken Bugs, die selbst durch eine fesselnde Story und die Spieltiefe nicht mehr wettgemacht werden konnten, eine traurige Berühmtheit erlangte, sind die Erwartungen an Risen selbstverständlich hoch.

 

Damals wechselte das Entwicklerstudio Piranha Bytes den Publisher, nachdem die Zusammenarbeit mit JoWood etwas unsanft beendet wurde. Dadurch verlor man zwar die Namensrechte an der Gothic-Serie, nichtsdestotrotz wurde an einem würdigen Neubeginn in der Rollenspielebene gearbeitet. Doch genug der Herleitungen, wir werden nun für euch herausfinden, wie sich Risen schlägt und ob Piranha Bytes aus den Fehlern von Gothic 3 gelernt hat.

 

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In der stürmischen See werdet ihr auf einem Flüchtlingsschiff von einem dunklen, euch noch unbekannten Ungeheuer überrascht. Selbst der auf dem Schiff anwesende Magier ist diesem Ungetüm nicht gewachsen. Nach dieser Katastrophe wacht ihr ohne Hab und Gut am Strand auf – umgeben von unzähligen Leichen, die nach dem Schiffsunglück angespült wurden. Und das war auch schon die Einleitung. Kurz und knapp. Welche einem im Übrigen recht bekannt vorkommt, man denke nur an Gothic. Ihr müsst euch also nun auf die Suche nach Überlebenden begeben und euch (natürlich) auch bewaffnen.

 

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Die Reise über die „verbotene Insel“ beginnt: Schritt für Schritt erfahrt ihr, was es mit der Insel und den mysteriösen Tempelruinen auf sich hat. Die Geschichte von Risen wurde in vier Akte gegliedert, die alle einen bestimmten Hauptquest zum Ziel haben.

In Risen habt ihr die Möglichkeit, drei Gruppen beizutreten. Dazu gehören die Magier der Vulkanfestung, die Ordenskrieger der Vulkanfestung sowie der Hafenstadt und die Banditen im großen Sumpf. Jede dieser Gruppen bildet euch zu einem bestimmten Kämpfer aus, dessen Fähigkeiten den Charakter dann im laufenden Spiel begleiten werden. Auch die Rüstung, die man tragen wird, ist von Gruppe zu Gruppe verschieden. Dieser Teil der Wegfindung findet hauptsächlich im ersten Akt statt.

 

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Ihr startet als mittelloser Schiffsbrüchiger, der sich am Anfang vor den Ordenskrieger hüten sollte, wenn er nicht zwangsrekrutiert werden will. Sollte euch der Weg in den großen Sumpf oder in die Hafenstadt führen und setzt ihr euch dort für die Interessen des Banditenanführers Don Esteban ein, so werdet ihr von ihm zum Jäger ernannt. Folgt man dieser Idee weiter und folgt seinem Befehl, so ernennt er euch nicht nur zum Kämpfer, sondern später auch zum Hauptmann.

 

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Die besonderen Fähigkeiten des Kämpfers liegen im Nahkampf mit schweren Waffen (Schwertkampf, Axtkampf) und im Fernkampf mit Bogen und Armbrust. Zaubersprüche kann er nur mit Spruchrollen wirken.

 

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Ein ähnlicher Verlauf erwartet euch bei den Ordenskriegern. Wenn ihr euch in der Hafenstadt mit Kommandant Carlos und seinen Ordenskriegern gut stellt, erhaltet ihr ein Empfehlungsschreiben für die Vulkanfestung. Hier könnt ihr euch nach der Grundausbildung für den Weg des Magiers oder des Ordenskriegers entscheiden. Wählt ihr Ersteren, werdet ihr Novize, auf dem zweiten Weg werdet ihr zu einem Rekruten. Nach Beendigung der Ausbildung erfolgt die Ernennung zum Magier, bzw. zum Ordenskrieger. Die Ordenskrieger beherrschen die Kristallmagie sowie den Schwert- und Stabkampf, während die Magier den Schwerpunkt auf Stabkampf und Kristall-/Runenmagie legen.

Die Gegner in Risen sind überwiegend wilde Tiere (Wölfe, Keiler, Grabmotten, um einige wenige zu nennen) und später auch Krieger der Ahnen sowie Untote. Auch kleine Gnome, die gerne mit allerhand Alltagsgegenständen werfen, gehören zu denen, die euch das Leben schwer machen wollen.

 

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Zu den Gegnern gilt zu sagen, dass sie selbst bei einem stärkeren Helden nicht zu unterschätzen sind. Und damit hat man auch einen Knackpunkt ausgemerzt, der beim „inoffiziellen“ Vorgänger Gothic 3 doch recht schnell die Luft aus dem Spiel lies: Einfaches „durchschlagen“ auf einer hohen Spielstufe wird vermieden. Daher kann selbst ein Rudel Wölfe im späteren Spielverlauf ein nicht zu unterschätzender Feind sein.

 

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Bei Risen kommt es auf die taktische Kombination von Ausweichen, Schlagkombinationen und Konterparaden an, um dem Gegner die Angriffschancen zu nehmen. Auch wird es am Anfang nicht ungewöhnlich sein, wenn man einem Gegner noch aus dem Weg gehen muss, weil er schlicht zu stark ist. Mit erweiterten Fähigkeiten und besserer Rüstung lässt sich im späteren Spielverlauf dann sicher auch dieser Feind bezwingen. Somit bleiben die Kämpfe selbst auf einer höheren Spielstufe spannend.

 

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Die Spielwelt von Risen ist kleiner als die von Gothic 3 und ähnelt mehr der von Gothic 2. Dafür sind die zu laufenden Strecken kürzer geworden und man verbringt die Spielzeit nicht nur mit herumrennen. Zudem lauert hinter (fast) jeder Ecke ein Gegner.

Drei der zentralen Orte sind die Vulkanfestung, die Hafenstadt und das Banditenlager. Zudem wird man auf der Reise auf viele Ruinen der Ahnen treffen, die es ebenfalls zu erkunden gilt.

 

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Neben dem spannenden Hauptquest werden euch in den einzelnen Orten auch allerlei Nebenquests angeboten, denen man nachgehen kann. Diese Nebenquests sind teilweise verstrickt und bieten eine optimale Balance aus Rätseln, Erkundungen und Kämpfen. So kann es durchaus sein, dass man einen Kämpfer, um ihn zu besiegen, erst mit einem besonderen Gebräu abfüllen muss, um ihm dann ein schlechtes Schwert unterzujubeln – HA! Was sind wir doch für ein kleines Schlitzohr. Derlei Raffinessen sind dem Spieler jedoch nur in den ersten beiden Akten möglich. Die letzten beiden führen in die dunklen Katakomben der Ahnen und in die Tiefen des Vulkans.

 

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Vergnügen wird in Risen groß geschrieben. So dürft ihr euch in einem Bordell oder in der Kneipe amüsieren und neben dem Bier noch ein bisschen Kraut rauchen – hoffentlich hört das kein Sittenwächter…

 

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Die Sprachausgabe lässt die Herzen der ehemaligen Gothic-Fans höher schlagen, denn Risen hat nicht nur den schmutzigen Humor und die Ausdrucksweise des alten Helden übernommen, sondern auch dessen Synchronsprecher. So die Gespräche euch nicht nur einmal ein Schmunzeln bereiten.

 

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Neben der Sprachausgabe kann auch die Untermalung durch die Umgebungsgeräusche und durch den Soundtrack überzeugen. Dieser wurde von Kai Rosenkranz komponiert und liegt dem Spiel als Extra bei. Die Soundausgabe passt sich automatisch der Windows-Standardeinstellung an und ist mehr als nur gelungen, besonders in Kombination mit einem 5.1 Soundsystem.

Grafisch empfindet man Risen als eine düstere Version von Gothic 3. Und diese „düstere“ Grafik passt sich wesentlich besser der Atmosphäre an als es im „bunten“ Vorgänger der Fall war. Besonders Pflanzen sind nun wesentlich unauffälliger in die Landschaft integriert worden und auch die Darstellung des Wassers wurde verbessert.

 

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Besonderes Schmankerl ist jedoch der Blick in der Ferne. Anstatt aufzuploppen, erscheinen die Objekte langsam aus dem Nebel der Entfernung. Die Umgebung wirkt stimmig und auch die Wettereffekte (Gewitter, Sonnenschein) sind sehr schön anzusehen. Untermalt wird das grafische Gesamtbild durch die Dichtheit der Fauna und den speienden Vulkan mit der am Berg liegenden Festung – episch.


Fazit:

Piranha Bytes hat viel aus den Fehlern gelernt und diese nahezu alle beseitigt. Die Spielwelt mag zwar etwas kleiner geworden sein, dafür bleibt man inhaltlich jedoch immer mit Freude am Ball und verliert trotz vieler Nebenquests nie den Faden. Die Grafik bewegt sich auf dem Stand von Gothic 3, geht jedoch ressourcenschonender mit der Hardware um. Die musikalische Untermalung ist einfach stimmig – ebenso wie die Synchronsprecher. Das verhilft Risen zu einer wirklich guten Wertung.

Wertung: 87%

(nAo)

 

Genre: Rollenspiel

Publisher: Deep Silver

Plattformen: PC, Xbox 360

USK: Freigegeben ab 12 Jahren